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Das Kirchenrecht und
die Angst um unsere Demokratie
Die Unterordnung aller
katholischen Politiker
unter den Vatikan
Andrea Nahles,
Generalsekretärin und stellvertretende Vorsitzende der SPD
bezeichnet den Papst als den "Chef vom Ganzen". Nach der Lehre der
römisch-katholischen Kirche zählt sie zu den katholischen Laien im
Unterschied zu den Priestern, wie z. B. auch der
CSU-Parteivorsitzende Horst Seehofer oder der
CSU-Hoffnungsträger Karl-Theodor
Freiherr von und zu Guttenberg.
Was aber zählt nun zu den Aufgaben der Politiker, die als
katholische Laien ein politisches Amt ausüben?
1
Lesen Sie dazu die heute gültigen
Bestimmungen des römische-katholischen Kirchenrechts, zitiert nach
Codex Iuris Canonici,
Codex des Kanonischen Rechts,
3. Auflage, auctoritate Ioannis Pauli
PP. II promulgatus [autorisiert durch Papst Johannes Paul II.],
Kevelaer 1989.
Can. 210 — Alle Gläubigen müssen je nach ihrer eigenen Stellung ihre
Kräfte einsetzen, ein heiliges Leben zu führen sowie das Wachstum
der Kirche und ihre ständige Heiligung zu fördern.
Can. 212 § 1
— Was die geistlichen
Hirten in Stellvertretung Christi als Lehrer des Glaubens erklären
oder als Leiter der Kirche bestimmen, haben die Gläubigen
im Bewusstsein ihrer eigenen Verantwortung in christlichem
Gehorsam zu befolgen.
Can. 225 § 1 —
Da die Laien wie alle Gläubigen zum Apostolat von Gott durch die
Taufe und die Firmung bestimmt sind, haben sie die allgemeine
Pflicht und das Recht, sei es als einzelne oder in
Vereinigungen, mitzuhelfen, dass die göttliche Heilsbotschaft von
allen Menschen überall auf der Welt erkannt und angenommen wird
...
§ 2 — Sie haben auch die besondere Pflicht, und zwar jeder gemäß
seiner eigenen Stellung, die Ordnung der zeitlichen Dinge im
Geiste des Evangeliums zu gestalten und zur Vollendung zu bringen
...
PS: Und wer entscheidet, wie die "Dinge im Geiste des
Evangeliums zu gestalten" sind? Nach Can. 212 § 1 einzig die "Leiter
der Kirche", denen die katholischen Politiker gehorchen müssen. Dies
wird auch noch einmal im nachfolgenden Canon 227 bekräftigt.
Can. 227 — Die Laien haben das Recht, dass ihnen in den
Angelegenheiten des irdischen Gemeinwesens jene Freiheit zuerkannt
wird, die allen Bürgern zukommt; beim Gebrauch dieser Freiheit
haben sie jedoch dafür zu sorgen, daß ihre Tãtigkeiten vom Geist des
Evangeliums erfüllt sind, und sich nach der vom Lehramt der Kirche
vorgelegten Lehre zu richten.
2
Auch die übrigen
verbindlichen römisch-katholischen Lehrschriften unterstreichen
diese Pflichten der katholischen Politiker. So z. B. der
Katechismus der Katholischen Kirche, 1997, Liberia
Editrice Vaticana, Deutsche Ausgabe, München 2005. Dort heißt es darüber hinaus z.
B.:
Lehrsatz Nr. 899
—
Die Initiative der christlichen Laien ist besonders notwendig, wenn
es darum geht, Mittel und Wege zu finden, um die
gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten
mit den Forderungen des christlichen Glaubens
und Lebens
[PS: womit die Forderungen des Papstes, des Vatikans und der
Bischöfe gemeint sind]
zu durchdringen ...
Lehrsatz Nr. 906
—
Die gläubigen Laien, die dazu fähig sind und sich dafür ausbilden
lassen, können auch ... an der Gestaltung der Medien
mitwirken.
Lehrsatz Nr. 2442
—
Es ist nicht Sache der Hirten der Kirche, in die politischen
Strukturen und die Organisation des Gesellschaftslebens direkt
einzugreifen. Diese Aufgabe gehört zur Sendung der gläubigen
Laien ...
3
Das umfangreichste
Lehrbuch der römische-katholischen Kirche ist: Heinrich
Denzinger, Peter Hünermann, Kompendium der Glaubensbekenntnisse und
kirchlichen Lehrentscheidungen, 42. Auflage, Freiburg-Basel-Wien
2009. Während das Standardwerk von Neuner-Roos (siehe
oben) nur in deutscher Sprache
abgefasst ist, sind dort auch alle Lehrtexte
in lateinischer Sprache, dem Urtext aller kirchlichen Gesetze und
Dogmen, veröffentlicht. Darin werden Frau Nahles und die anderen
Politiker z. B. ausdrücklich auch auf die Instruktion der
Glaubenskongregation "Libertas conscientia" von Papst Johannes
Paul II. vom 22.3.1986 verwiesen, in welcher der Papst verbindlich
für alle Katholiken festlegte:
Lehrsatz Nr. 4579
—
Ebenso ist die Kirche ihrer Sendung treu, ... wenn sie sich
Versuchen widersetzt, eine Ordnung des gesellschaftlichen Lebens zu
errichten, von der Gott
[PS: wie
ihn der Papst definiert]
entfernt ist, ob dies aus bewusstem Widerspruch oder aus sträflicher
Nachlässigkeit geschieht, und wenn sie schließlich ihr Urteil
über politische Bewegungen fällt, die sagen, sie kämpften gegen
Elend und Unterdrückung, aber von Theorien und
Handlungsanweisungen durchsetzt sind, die dem Evangelium
[PS: wie
es der Papst interpretiert]
widersprechen ...
4
In der Dogmensammlung
von Denzinger/Hünermann wird natürlich auch die für die Kirche
wegweisende Bulle Unam Sanctam von Papst Bonifaz VIII. von
1302 zitiert, in der auch die angebliche Heilsnotwendigkeit einer
Unterwerfung aller Menschen unter den Papst dogmatisiert wurde
(siehe
oben). Auch wenn die Priestermänner
deren Inhalte heute vorsichtiger formulieren, so zählt Unam
Sanctam nach Neuner-Roos doch bis heute zum "unfehlbaren"
Glaubensgut der Kirche. Lesen Sie, was die Katholiken demnach
ebenfalls glauben müssen.
Lehrsatz Nr. 873
—
Durch die Aussagen der Evangelien werden wir belehrt, dass in dieser
ihrer [der Kirche] Gewalt zwei Schwerter sind, nämlich das
geistliche und das zeitliche ... Beide sind also in der Gewalt der
Kirche, nämlich das geistliche Schwert und das materielle. Jedoch
ist dieses f ü r die Kirche, jenes aber v o n der Kirche zu
handhaben. Jenes in der Hand des Priesters, dieses in der Hand der
Könige und Soldaten, aber auf die Zustimmung und Duldung des
Priesters hin. Es gehört sich aber, dass ein Schwert unter dem
anderen ist und die zeitliche Autorität sich der geistlichen Gewalt
unterwirft ... Denn wie die Wahrheit bezeugt, muss die geistliche
Gewalt die irdische Gewalt einsetzen und richten, wenn sie nicht gut
war ...
Lehrsatz Nr. 874 —
Diese Autorität [der Kirche] ist aber, auch wenn sie einem Menschen verliehen
wurde und durch einen Menschen ausgeübt wird, keine menschliche,
sondern vielmehr eine göttliche Gewalt, die Petrus aus göttlichem
Munde verliehen und ihm und seinen Nachfolgern
[PS: als die sich die Päpste
fälschlicherweise betrachten]
in Christus selbst,
den er als Fels bekannt hat, bestätigt wurde, als der Herr zu Petrus
selbst sagte: "Alles, was du gebunden hast?" usw. Wer immer sich
also dieser von Gott so angeordneten Gewalt "widersetzt, widersetzt
sich der Anordnung Gottes" (Röm. 13, 2).
Liebe Leserinnen, liebe Leser!
Wenn man sich das
alles so bewusst macht, dann ist eines klar: Die katholischen Laien
müssen ihrer Kirche gehorchen, auch in ihrem politischen Amt. In
manchen Fragen dürften sie sogar weisungsgebunden sein. Manches, was
in der deutschen Politik geschieht, ist wohl nur auf diese Weise zu
erklären. |